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„HOTdays 2018“

Feuerwehr trainierte unter realen Brandbedingungen 

Unter realen Brandbedingungen mit Feuer, Rauch und Hitze trainierten vom 16. bis 18. November 2018 insgesamt 90 Einsatzkräfte das sichere und wirksame Vorgehen bei Bränden in geschlossenen Räumen. Am Feuerwehrhaus in der Nordstraße war drei Tage eine spezielle Brandsimulationsanlage mit Feuer und Rauch in Betrieb. Atemschutzgeräteträger aus allen Gehrdener Ortsfeuerwehren wurden eingehend auf die besonderen Situationen bei der Innenbrandbekämpfung geschult und durchliefen hierbei auch einen „heißen Durchgang“.

Nach einer eingehenden Sicherheitseinweisung durch den stellvertretenden Stadtausbildungsleiter Torsten Temps und einen Trainer der Firma FEUERCON machten die jeweils 10 bis 14 Teilnehmer eines Trainingsdurchgangs ihre persönliche Schutzausrüstung und die spezielle Atemschutztechnik einsatzbereit. Nachdem alle Atemschutzträger ihre Geräte geschultert und die Schutzkleidung auch mit feuerfesten Ponchos über der Einsatzjacke und dem Atemschutzgerät vervollständigt hatten, ging es gemeinsam in den 40-Fuß-Container der Fa. FEUERCON. Dieser war auf einem LKW-Anhänger aus Erkrath in Nordrhein-Westfalen gekommen und auf dem Übungsgelände neben dem Feuerwehrturm aufgebaut. Im Inneren dieses speziell gestalteten Containers platzierten sich die Teilnehmer im mittleren Bereich. In der Brennkammer im vorderen Teil entzündete einer der sieben Trainer einen Stapel Holz, während ein weiterer FEUERCON-Mitarbeiter hinten die großen Portaltüren schloss. Unter fachmännischen Erklärungen war für die beobachtenden Atemschutzgeräteträger nun zunächst erkennbar, wie sich Feuer und Rauch in einem geschlossenen Raum entwickeln. Insbesondere die Unterschiede zwischen „kaltem“ und „warmen“ Rauch sowie vollständiger und unvollständiger Verbrennung konnten eindrucksvoll nachvollzogen werden. Auch die Entwicklung von verschiedenen Rauchschichten und einhergehender Wärme nahmen die Einsatzkräfte unmittelbar wahr. Besondere Situationen durch brennbare Gase in der Rauchschicht waren dann zu spüren, wenn sich diese beim Zutritt von Luftsauerstoff plötzlich innerhalb der Rauchschicht entzündeten. Unter Anleitung der Trainer wechselten die teilnehmenden Einsatzkräfte die Positionen innerhalb des Übungscontainers, um selber zu spüren, wo es sehr heiß ist und durch welches Verhalten der Hitze bestmöglich ausgewichen werden kann. Zudem gab es wertvolle Tipps, durch welche Maßnahmen der Rauchabführung sowie des Einsatzes von Löschwasser die wirkungsvolle Brandbekämpfung bestmöglich erfolgen kann. Nach etwa 30 Minuten verließen alle Beteiligten den heißen und rauchgefüllten Übungsraum und legten unter Anleitung die nun kontaminierte Schutzkleidung sowie ihre Atemschutzgeräte ab. Hierbei gab es wertvolle Tipps, wie mit Brandrauch – im Ernsteinsatz ggf. auch mit stark schädigenden Schadstoffanteilen – kontaminierte Einsatzkräfte einen Mindeststandard an Hygienemaßnahmen vor Ort realisieren können. In einer Nachbesprechung konnten die Erfahrungen vertieft und ergänzenden Fragen gestellt werden.

Die heißen Durchgänge mit realem Feuer und Rauch wurden von einem gesonderten Training an Feuerwehrstrahlrohren begleitet. Hier gaben Ausbilder der Stadtfeuerwehr wichtige Tipps zur Wasserabgabe aus Strahlrohren. Am Übungsturm trainierten alle Einsatzkräfte, wie sie mit wasserführenden Strahlrohren in Gebäude und Räume eindringen und hierin wirkungsvolle Löschmaßnahmen durch den gezielten Einsatz der besonderen Hohlstrahlrohre erzielen können.

Für den reibungslosen Verlauf dieser aufwendigen Realbrandausbildung waren umfangreiche Unterstützungen erforderlich. Mitglieder der Feuerwehr Gehrden transportierten nach jedem Übungsdurchlauf benutzte Atemschutzgeräte zur Atemschutzwerkstatt in die Feuerwehr Technische Zentrale nach Ronnenberg. Andere Feuerwehrleute brachten die kontaminierten Einsatzanzüge im Anschluss an die Heißübungen in einem geeigneten Transportfahrzeug nach Hannover-Stöcken. Hier reinigte ein beauftragter Dienstleister die verschmutze Schutzkleidung in einer speziellen Waschmaschine. Die weitere logistische Unterstützung hatte Torsten Temps mit mehreren Feuerwehrmitgliedern bei der Bereitstellung von verschiedenem Übungs- und Verbrauchsmaterial und Mineralwasser in ausreichender Menge organisiert.

Das dreitägige Training mit sieben heißen Durchgängen kostete insgesamt etwa 12.500 Euro. Die sehr effektive Fortbildungsmaßnahme für Einsatzkräfte wurde durch eine großzügige Spende einer verstorbenen Gehrdener Bürgerin ermöglicht. Diese hatte der Feuerwehr eine stattliche Summe ihres Vermögens vererbt, von der nun hiermit ein Teil zur besonderen Förderung des Brandschutzes eingesetzt wurde.

Die teilnehmenden Einsatzkräfte äußerten sich sehr beeindruckt von den Erfahrungen. Insbesondere die persönlichen Erkenntnisse bei der Beobachtung des Brandverlaufes sowie der einhergehenden Rauchentwicklung werden als sehr wertvoll für den Realeinsatz gewertet. „Ich hatte vorher schon ein komisches Gefühl, dem Feuer und Rauch in diesem Container so nahe zu kommen und verspürte vorher eine gewisse Unsicherheit“, sagte Maike Schön von der Schwerpunktfeuerwehr Gehrden. „Dieses Gefühl war jedoch schnell vorbei. Die Trainer haben alle Situationen sehr gut erklärt. Ich konnte selber erleben, wie Hitze und Rauch in dem engen Container auf mich wirken und welche körperlichen Belastungen auftreten. Ich fühle mich nach der Realbrandausbildung nun noch besser auf solche Situationen vorbereitet.“ Maike war bereits im August 2016 in Ditterke als Teil des Angriffstrupps in einer brennenden Industriehalle, jedoch ohne sich auf eine entsprechende Erfahrung stützen zu können. „Durch diese Fortbildung ist es mir möglich, die realen Brandverläufe besser zu beurteilen und hierdurch in vergleichbaren Situationen noch sicherer und zielgerichteter in den Einsatz zu gehen.“ Gruppenführer Marcel Kirmse hat in dem Brandübungscontainer wichtige Erkenntnisse für seinen Einsatz als Führungskraft gewinnen können. „Es war schon sehr interessant, die Entwicklung von Feuer und Rauch so unmittelbar zu erleben. Insbesondere die Tipps zum Erkennen von unterschiedlichen Brandrauchtemperaturen und die entsprechenden Wahrnehmungen der Wärme haben mich sehr beeindruckt! Sicherlich hatte ich den Großteil der heute erlebten Erscheinungen bereits in der Theorie vermittelt bekommen und auch Bilder und Videos hierzu gesehen. Das persönliche Erlebnis verdeutlicht jedoch vieles sehr eindrücklich und wird mir bei meiner verantwortlichen Tätigkeit als Gruppenführer und Einsatzleiter sicherlich sehr hilfreich sein.“

Bei der Realbrandausbildung „HOTdays 2018“ konnten 90 Atemschutzgeräteträger geschult und trainiert werden, um einen Innangriff auch bei hoher Stressbelastung sicher vorzutragen und Unfälle zu vermeiden. Die Feuerwehrangehörigen konnten in der speziellen Übungsanlage mit ähnlichen Bedingungen und Szenarien zu konfrontiert werden, die sie auch im tatsächlichen Brandeinsatz vorfinden.  Zudem vermittelten versierte Ausbilder die erheblichen Gefahren des Brandeinsatzes in geschlossenen Räumen, damit sie im späteren realen Einsatz erkannt, wirksam bekämpft oder ihnen ausgewichen werden kann. Die Feuerwehrangehörigen können mit den nun gewonnenen Erfahrungen ihre persönlichen Grenzen und die der Technik besser einschätzen, um im Einsatzfall den Risiken ihrer eigenen Tätigkeit richtig begegnen zu können.

         

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